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Plädoyer für Arjen Robben – Warum er immer noch den Unterschied machen kann

Plädoyer für Arjen Robben – Warum er immer noch den Unterschied machen kann

„Robben ist zu alt.“ „Robben kann nix mehr.“ “Ein umbruch muss her!” “Lieber junge Regionalliga-Spielern eine Chance geben!” “Robbery sind über den Zenit.”

Ich kanns echt nicht mehr hören (lesen), dass immer wieder Franck Ribery und Arjen Robben auf eine Stufe gestellt werden. Beiden schreibt man regelmäßig eine Teilschuld für die Bayern-Krise zu. Natürlich hat Bayern eine Krise. Und ich sehe auch, dass Franck Ribery sich schwer tut. Aber die Ursachen für die Krise im Alter oder der scheinbar mangelnden Leistung von Arjen Robben erklären zu wollen ist schlichtweg falsch.

Warum Arjen Robben immer noch den Unterschied machen kann

Ich will ein paar Lanzen für den Niederländer brechen.

Fakt #1: Alter ist kein entscheidender Parameter

Robben ist 34. Nur ein Jahr älter als Cristiano Ronaldo, der ja zweifellos immer noch einer der besten der Welt ist. Matthäus hat sogar bis 40 Top-Leistungen abgeliefert. Alter ist nur bedingt ein Kriterium.

Die Leistung sollte objektiv betrachtet werden. Oder wie Robben selbst nach dem 1. Spieltag gegen Hoffenheim sagte:

“Es gibt nur gute oder schlechte Spieler.”

Robben ist definitiv immer noch ein ganz guter Spieler. Egal, was für Zahlen in seinem niederländischen Ausweis stehen. Um das zu beweisen helfen Statistiken wohl am Besten.

Fakt #2: Robben ist einer der besten Fußballer seiner Zeit

  • 2010 WM-Finale erst in der Verlängerung verloren
  • 2013 Champions League Sieger mit Bayern inklusive Siegtor
  • mehrmals deutscher Meister
  • 2018 hätte Bayern mit Robben die Champions League Finale gewonnen. Garantiert 😉

Ich will hier aber keinen Altar bauen oder mit dem Grundgesetz kommen. Das können andere tun.

Ich will nur zeigen, dass Robben vor fünf Monaten noch ein wesentlicher Teil einer erfolgreichen Mannschaft war, die unter Trainer Jupp Heynckes nur sehr knapp im Halbfinale der Champions-League am späteren Sieger Real Madrid gescheitert ist und zum sechsten Mal in Folge in überragender Manier deutscher Meister geworden ist. Diese Klasse hat Robben sicherlich nicht über die Sommerpause verloren. Wer ihn genau beobachtet, sieht, dass er immer noch den absoluten Siegeswillen und die Fitness hat um den Unterschied zu machen.

Fakt #3: Robben ist immer noch einer der besten Bundesliga-Spieler

Robben kann nach wie vor in internationalen Spielen den Unterschied machen. Drei Bundesliga-Tore in 8 Spielen sind jetzt nicht so schlecht. Robben trifft sogar alle 170 Minuten. In der vergangenen Saison 2017/2018 hatte Robben in der gesamten Saison nur 5 Tore. Ist also kein Indiz, dass er schlechter ist als in der vergangenen Saison. Seine Leistungen in der Bundesliga an Toren gemessen sehen folgendermaßen aus:

  • 2009/2010: 16 Tore
  • 2010/2011: 12 Tore
  • 2011/2012: 12 Tore
  • 2012/2013: 5 Tore (+4 Champions-League-Tore ? Triple)
  • 2013/2014: 11 Tore
  • 2014/2015: 17 Tore
  • 2015/2016: 4 Tore
  • 2016/2017: 13 Tore
  • 2018/2019: 3 Tore (stand: 5.11.2018)

Quelle: Transfermarkt.de

Man sieht, dass Robben bis auf 2012/2013 und 2015/2016 in jeder Saison zweistellig getroffen hat.

Robben hat in dieser Saison alle 142 Minuten ein Bundesliga-Tor geschossen. Mit seinem Allzeit-Schnitt von 133 Minuten pro Tor gehört Robben zu den 10 effizientesten Bundesliga-Torschützen ALLER Zeiten. UND: Er ist der beste Spieler in dieser Rangliste, der kein Mittelstürmer ist! Bayern-intern braucht Serge Gnabry 177 Minuten und Ribery sogar 225 Minuten für ein Tor.

Fakt #4: Robben ist im Saisonverlauf schlechter geworden

Dass er keinen Bock auf Kovac hat, heißt ja nicht, dass er grundsätzlich nix mehr kann. Davon zu sprechen, dass Robben zu alt ist und nix mehr kann ist etwas kurzsichtig. Denn an den ersten fünf Spieltagen dieser Saison 2018/2019 war Robben sehr wohl noch einer der besten Bundesliga-Spieler. Das belegen seine Noten bei Kicker.de und Transfermarkt.de im Vergleich mit anderen Rechtsaußen der Liga:

  • 1. Spieltag: 2,4 (2. von 11)
  • 2. Spieltag: 3,0 (4. von 8)
  • 3. Spieltag: 2,0 (1. von 12)
  • 4. Spieltag: Ohne Einsatz im Kader gegen Schalke
  • 5. Spieltag: 2,5 (2. von 12)
  • 6. Spieltag: 4,5 (9. von 11 Rechtsaußen)
  • 7. Spieltag: 4,5
  • 8. Spieltag: 4,5 (+gelb-rote Karte gegen Mainz)
  • 9. Spieltag: Gelb-Rot-Sperre

Robbens Saisonverlauf von Kovac gestört

Robben startete die Saison gegen Hoffenheim auf der Bank.

Kovac gab dem jüngeren Coman den Vorzug. Dieser verletzte sich nach einem Foul schwer. Robben wurde in der 45. Minute beim Stand von 1:0 für Bayern eingewechselt.
Nachdem Lewandowski einen Elfmeter verschossen hat, staubte Robben ab. Das Tor wurde aberkannt, weil der Niederländer zu schnell in den Strafraum gelaufen war.
In der 90. Minute machte Robben dann aber noch das 3:1.

In den Spielen darauf war Robben wegen Comans Verletzung gesetzt als Rechtsaußen und trug mit guten Leistungen zum sehr erfolgreichen Saisonstart bei.
Der neue Trainer Niko Kovac erntete dafür überall Respekt. Robben war an den ersten drei Spieltagen immer einer der besten bei Bayern und auch ligaweit auf seiner Position als Rechtsaußen.

Robben war in einer Umfrage der User von Eurosport.de am 3. Spieltag gegen Leverkusen sogar der beste Spieler der gesamten Bundesliga! Mit 470 Stimmen. Der zweitplatzierte Mathias Ginter hatte nur 180 Stimmen.

Das war am 18. September. Vor gerade mal sieben Wochen. Gar nicht so schlecht für einen, der seit mindestens genauso langer Zeit fußballerisch totgesagt wird.

Quelle: Eurosport.de

Umso unverständlicher war es, dass Bayern-Trainer Niko Kovac den Niederländer am 4. Spieltag beim Gastspiel auf Schalke 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ. Das hatte schon was von Demontage. Rotation hin oder her. Auf sowas steht ein Arjen Robben gar nicht. Das hätte man erkennen können, wenn man in den letzten Jahren mal ein Spiel der Bayern gesehen hat.

Wette auf Robben-Tor gegen Augsburg

Im Spiel darauf gegen Augsburg kam Robben zornig zurück und traf gegen Augsburg. Ich hatte vor dem Spiel in meiner Facebook-Gruppe 2xbet eine Wette darauf abgeschlossen, dass Robben ein Tor schießt. Und der lieferte natürlich.

Das Spiel gegen Augsburg endete aber nur 1:1. Es war der Anfang der Bayern-Krise. Robben selbst hatte zwar noch eine gute Note mit 2,5 und war damit an diesem Spieltag der zweitbeste Rechtsaußen der Liga.

Danach bekam er drei Spiele in Folge nur eine 4,5 vom Kicker. Trauriger Tiefpunkt die gelb-rote Karte am 8. Spieltag gegen Wolfsburg mit Sperre im Spiel darauf gegen Mainz.
Seine Rückkehr ins Team gegen Freiburg war auch nicht überragend. Robben in der 63. Spielminute beim Stand von 0:0 ausgewechselt. Endstand: 1:1.

Ausblick auf Robbens Zukunft

Man kann den Abwärtstrend von Robben mit der Krise des FC Bayern in Verbindung bringen. Robben ist aber kein Grund für die Krise, sondern ein Leidtragender. Wenn es in der Mannschaft läuft, ist die Leistung von Robben nach wie vor bundesliga-tauglich und auch international kann Bayern nach wie vor von seiner Erfahrung und seiner Extra-Klasse im Tempodribbling profitieren.

Kovac hat allerdings von Anfang an gegen Robben gearbeitet, wodurch dieser wichtige Baustein im Bayern-Spiel ab dem 6. Spieltag weggebrochen ist.
Ich bin überzeugt, dass ein anderer Trainer, der die Schlüsselrolle von Robben besser erkennt, mit Bayern und Robben wieder zurück in die Erfolgsspur kommt.
Meine Prognose: Kovac wird entlassen. Sein Nachfolger gibt Robben vertrauen und dieser zahlt zurück mit Leistung. Arjen Robben wird in dieser Bundesliga-Saison noch mindestens 10 Tore machen, wenn ihn nicht wieder eine schwere Verletzung aus der Bahn wirft. Aber das ist nicht dem Alter geschuldet, das Problem hatte ein 24-jähriger Arjen Robben genauso.

Posted by Radek in Allgemein, Fußball heute Transfer News