Am 14. Juni 2018 startet die 21. Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Spiel von Gastgeber Russland gegen Saudi-Arabien. Wir werfen hier einen Blick auf die russische Mannschaft und versuchen einzuschätzen, was man von den Russen erwarten kann.

Russlands WM-Chancen im Video

Russlands – historisch belegter Heimvorteil

Als Gastgeber einer Weltmeisterschaft sind schon einige kleine Fußball-Nationen über sich hinaus gewachsen. Man denke an Südkorea 2002 als Halbfinalist gegen Deutschland oder die bis dahin kaum fußballerisch interessierten Amerikaner 1994 im Achtelfinale.

So gut waren die Weltmeisterschafts-Gastgeber bei ihren eigenen Turnieren

  1. 1930 Uruguay Weltmeister
  2. 1934 Italien Weltmeister
  3. 1938 Frankreich Viertelfinale
  4. 1950 Brasilien Vize-Weltmeister
  5. 1954 Schweiz Viertelfinale
  6. 1958 Schweden Vize-Weltmeister
  7. 1962 Chile Dritter
  8. 1966 England Weltmeister
  9. 1970 Mexiko Viertelfinale
  10. 1974 Deutschland Weltmeister
  11. 1978 Argentinien Weltmeister
  12. 1982 Spanien Finalrunde/Neunter
  13. 1986 Mexiko Viertelfinale
  14. 1990 Italien Dritter
  15. 1994 USA Achtelfinale
  16. 1998 Frankreich Weltmeister
  17. 2002 Japan/Südkorea Japan: Achtelfinale – Südkorea: Vierter
  18. 2006 Deutschland WM-Dritter
  19. 2010 Südafrika Vorrunde
  20. 2014 Brasilien Vierter

Bei bisher 20 Weltmesiterschaften war der Gastgeber sechs Mal Weltmeister. Das letzte Mal gelang der „Home Run“ 1998 den Franzosen.

Der Titel ist für Russland keine Option. Aber die Platzierung von einigen Außenseitern zeigt, dass sie bei ihren eigenen Turnieren über sich hinausgewachsen sind und die beste Platzierung ihrer WM-Geschichte in heimischen Stadien erreicht haben. Das war angefangen beim ersten Weltmeister 1930 Uruguay der Fall, 1954 beim Viertelfinalist Schweiz, 1958 beim Finalisten Schweden, 1962 wurde Chile Dritter, 1966 England zum ersten und einzigen Mal zu Hause in Wembley Weltmeister, 1970 Mexiko im Viertelfinale zuhause wie 1986, die bereits erwähnte USA 1994 im Achtelfinale, Japan 2002 im Achtelfinale und Südkorea sogar Sensations-Vierter.

Nur Spanien enttäuschte 1982 auf ganzer Linie als Neunter. Und Südafrika war 2010 erst der zweite Gastgeber nach den Spaniern, der nicht über die Vorrunde hinaus kam. Also gute Vorzeichen für Russland rein vom Heimvorteil her.

Russlands Spiele vor der WM

Russland ist als Gastgeber natürlich direkt qualifiziert und musste nicht in diverse Qualifikationsspiele. Stattdessen absolvierte die Nationalmannschaft des Ausrichters diverse Testspiele um die besten Spieler für die Heim-WM zu finden und eine schlagkräftige Truppe zu formen.

ZUM THEMA:   Ägypten - Was ist drin bei der WM2018

Russlands Testspiele im WM-Jahr 2018

Schaut man sich die Bilanz der Russen im Jahr 2018 an, dann kann einem nur schlecht werden im Bezug auf die WM.

Das letzte Testpsiel am 5. Juni in Moskau endete immerhin 1:1 gegen den Nicht-Teilnehmer Türkei. Aleksandr Samedov (Spartak Moskau / Marktwert bescheidene 1,6 Millionen) traf nach Vorlage von Alan Dzagoev.

In den Statistiken waren die Türken aber in allen relevanten Kategorien führend.

Nimmt man das als Messlatte für die WM, dann wird es Russland schwer haben die Gruppenphase zu überstehen.

Vor allem, weil die Spiele davor noch schlechter waren – wenn auch gegen stärker einzuschätzende Gegner.

Eine Woche davor gab es ein trostloses 0:1 in Österreich. Aber, dass man gegen die Ösis verlieren kann zeigte in diesem Zeitraum auch die Deutsche Mannschaft eindrucksvoll mit dem 1:2 in Klagenfurt.

Im März kassierte Russland zuhause zwei Niederlagen gegen Mitfavoriten Brasilien (0:3) und Frankreich (1:3).

Es wirkt schon fast vermessen, dass sich der Gastgeber zuvor im November 2017 auch noch mit zwei weiteren Top-Favoriten aus Argentinien (0:1) und Spanien duellierte.

Immerhin das 3:3 gegen Spanien nach 0:2 Rückstand in Sankt Petersburg durfte man als Achtungserfolg ansehen. Fedor Smolov von FK Krasnodar (Marktwert 15 Millionen) traf doppelt.

Insgesamt blickt Russland beim WM-Start gegen Saudi-Arabien auf 7 Spiele ohne Sieg zurück. Drei Unentschieden und vier Niederlagen machen nicht gerade Mut für das größte Sportereignis der Welt im eigenen Land.

Der letzte russische Sieg war am 7. Oktober 2017 mit 4:2 gegen Südkorea. Auch keine Fußball-Macht. Aber das ist ja Russland eben auch nicht.

Die Spieler der russischen Nationalmannschaft

Man darf die Fußball-Nationalmannschaft nicht mit der Größe des Landes und dessen Stellung in der Weltpolitik in Verbindung bringen. Denn dann würde man Russland ungerechtfertigt stark reden. Die russische Liga hat zwar Geld, spielt aber auf unterstem Niveau, was sich in den Zuschauerzahlen wiederspiegelt. Laut Sportschau.de kommen gerade mal 2000 Zuschauer zu durchschnittlichen Erstligaspielen. Nur bei den Topclubs ZSKA, Zenit, Lokomotiv und Spartak ist etwas mehr los. Die tragen auch die Meisterschaften unter sich aus.

ZUM THEMA:   WM2018 - Island: Wie stark sind die Wikinger?

Man kann es eigentlich gar nicht verstehen, dass Russland nicht viele gute Spieler hat. Das Geld und die Einwohnerzahl wäre da, damit ein ordentliches Förderprogramm haufenweise Talente hervorbringen würde wie Helden von 2008 Arshawin oder Shirkow – der übrgiens 2018 auch noch dabei ist.

2008 war Russland mit sehenswertem Angriffsfußball im Halbfinale der EM. Danach gabs aber nichts mehr zu berichten. Und richtig konnte sich kein Russe auf Dauer bei einem europäischen Spitzenklub durchsetzen.  2014 waren sie bei der WM in Brasilien dabei, schieden aber in der Vorrunde aus. 1:1 gegen Algerien und Südkorea und 0:1 gegen Belgien. Angriffsfußball sieht anders aus auch wenn die Defensiv-Leistung mit einem Gegentor pro Spiel nicht so schlecht war.

Die russische Liga ist ein dankbares Auffangbecken. Wenig Niveau, viel Geld. Da wollen die Russen gar nicht weg und sich wo anders für weniger Geld mehr anstrengen müssen. Für die Nationalmannschaft ist sowas natürlich schlecht. Nur zwei Spieler des 23-köpfigen Kaders spielen nicht in der Russischen Liga! Davon der Ersatztorwart Vladimir Gabulov vom FC Brügge in Belgien. Denis Cheryshev von Villareal hat sogar als Reservist von Real Madrid einmal die Champions League gewonnen.

Die beiden ehemaligen Bundesliga-Profis Konstantin Rausch und Roman Neustädter schafften es nicht ins WM-Aufgebot. Wahrscheinlich, weil sie beide während des Trainingslagers im März im Moskauer Nachtleben gesichtet wurden.

Quelle: http://www.kicker.de/news/fussball/weltmeisterschaft/startseite/723617/artikel_russland-verzichtet-auf-rausch-und-neustaedter.html

Russlands Trainer – ein ehemaliger Torwart

Dass ein ehemaliger mittelmäßiger Torwart auf der Trainerbank sitzt ist irgendwie bezeichnend. Stanislaw Tschertschessow spielte in den 1990er Jahren in der Bundesliga bei Dynamo Dresden.

Nichts gegen Tschertschessow, aber erfolgreiche Trainer, die früher Torhüter waren kann man an einer Hand abzählen, wenn man überhaupt soviele Finger braucht. Spontan würde mit keiner einfallen. Nach ein wenig Recherche habe ich festgestellt, dass Dino Zoff wohl ein ganz ordentlicher Trainer sein soll und der ehemalige Belgien-Keeper Michel Preud’Homme ganz respektable Ergebnisse in der Belgischen Liga erzielte. Aber das nur am Rande. Es würde zu weit führen das jetzt als Stärke oder Schwäche von Russland auszulegen, passt aber gut ins Bild.

ZUM THEMA:   Ägypten - Was ist drin bei der WM2018

Russlands Chancen bei der WM2018 in der WM-Gruppe A

Der WM-Kader Russlands hat einen Gesamt-Marktwert von 160 Millionen.

Das ist immerhin mehr als Ägypten und Saudi-Arabien – die Konkurrenten um den Achtelfinal-Einzug. Der Heimvorteil wird allerdings das stärkste Argument sein, warum Russland sich gegen Ägypten mit Mo Salah und die Saudis durchsetzen kann.

Basierend auf den bisherigen Auftritten der Nationalmannschaft sehe ich keine klaren Siege Russlands. Ein knapper Sieg zum Auftakt gegen die Saudis wäre das höchste der Gefühle und ein 1:1 gegen Ägypten. Gegen den klaren Gruppenfavoriten Uruguay dürften die Trauben – stand jetzt – zu hoch hängen.

Es sei denn die Russen steigern sich und werden von den Fans auf einer Euphorie-Welle durch das Turnier getragen. Was man sich bei den eher abgekühlten und aggressiven russischen „Fans“ kaum vorstellen kann. Aber hier kann Russland auch ein anderes Bild zeigen als die Hooligans, die bei vielen Veranstaltungen in der Vergangenheit für negative Schlagzeilen gesorgt haben.