Radek reagiert auf Claudia Neumann

Häufige Versprechen, monotone Floskeln, eine unangenehme Stimme, fehlendes taktisches Verständnis, falsche Einschätzungen von Situationen. Das sind alles Eigenschaften, die eine Person für den Job als Fußball-Kommentator ungeeignet machen. Nicht so bei der ZDF-Kommentatorin Claudia Neuamnn. Mein unsexistische Kritik.

„KOMMENTIERT CLAUDIA NEUMMAN DAS WM-FINALE!“

So eine Schlagzeile wie von der Webseite Emma.de sorgt bei vielen Fußball-Fans auf einen Schlag für einen erhöhten Blutdruck und Schweißausbrüche!

Ich gebe zu: das war zumindest bei mir so. Laut Emma gehöre ich damit „zu den Ewiggestrigen (…), die der Ansicht sind, dass eine Frau bei einem Männerspiel nicht ans Mikro gehört.“

Das würde ich nicht so plump pauschalisieren wie Emma, aber ich würde definitiv unterstreichen, dass Claudia Neumann bei einem Männerspiel zur besten Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht ans Mikro gehört.

Das liegt weniger daran, dass ich ein „sexistischer Hater“ bin, sondern daran, dass ich als Fußball-Journalist, der seit 30 Jahren Fußballspiele schaut und aktiv Fußball gespielt hat, sowie als TV-Liebhaber ein Fan von guter Unterhaltung bin.

Nun war ich zumindest bei der WM 2018 laut Emma mit meiner Meinung in der Minderheit. Denn Emma berief sich wie der Spiegel nach der Kritik an Neumann bereits bei der WM 2018 auf eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Civey, laut dem 68,9 % der 5050 Befragten eine Frau als Live-Kommentatorin beider WM 2018 positiv sehen.

Zu dieser Studie waren laut Spiegel nur registrierte Teilnehmer von Civey befragt worden, die nicht unbedingt als Fußball-liebender TV-Zuschauer selbst betroffen sein müssen.

Wie viel Prozent der Fußball-TV-ZuschauerInnen sind weiblich?

Nimmt man dieses beliebige Stock-Footage Bild als Maßstab sind 20% der Zuschauer weiblich. Man beachte das Getränk der Frau im Vergleich zu ihren männlichen Mitschauern.

Schaut man sich die Werbung an, kommen eher weniger Hautcremes und mehr Auto und Bier-Werbungen. Ok, auch Frauen kaufen Autos und trinken Bier. Allerdings ist das – wie der Fußball eben auch – eine Männerdomäne. Jetzt kann man das als „Ewiggestrig“ oder „Sexistisch“ abtun. Oder als eine wirtschaftliche Komponente von Angebot und Nachfrage sehen. Allerdings konsumieren Männer wesentlich mehr Autos und Bier als Frauen und sind damit bessere Kunden und bessere Zuschauer.

Und dann kommt man auf die Frage: Ist es fair eine Frau kommentieren zu lassen, die qualitativ nicht unbedingt die beste ist?

Unabhängig davon, sehe ich eine Frau als Live-Kommentatorin ebenfalls nicht pauschal negativ.

Hier wird eine allgemeine Statistik über Frauen als Live-Kommentatorinnen mit der Personalie Claudia Neumann über einen Kamm geschert, um gegen unnötigen Sexismus zu argumentieren. Ein ehrenwertes Ziel, allerdings auch nicht zielführend.

So könnte man dieser Umfrage eine andere Umfrage gegenüberstellen:

Auf Turus.net kann man Sport-ReporterInnen bewerten. Hier schneidet Claudia Neumann mit einem Schnitt von 1.2 Sternen von 5 bestmöglichen Sternen bei den 1583 Befragten nicht so gut ab.

Fachwissen, Spontanität, Interesse und Sympathie werden von 86% im Schnitt mit einem Stern bewertet.

ZDF-Kollege Bela Rethy schneidet mit 1,4 Sternen von 419 Bewertungen ähnlich schlecht ab.

 

Zum Vergleich:

  • Florian Schmidt-Sommerfeld (Sky) 3.8 (14 Bewertungen)
  • Jonas Friedrich (DAZN) 2,2 (6)
  • Frank Buschmann (Sky) 2,1 (18)
  • Marco Hagemann (RTL) 2.0 (24)
  • Gerd Gottlob (ARD) 1,9 (201)
  • Jörg Dahlmann (SKY) 1,9 (50)
  • Hansi Küpper (Sport1) 1,9 (37)
  • Oliver Schmidt (ZDF) 1,5 (370)
  • Kai Dittmann (ARD) 1,2 (252)
  • Klaus Veltmann (Sky) 1,2 (164)

Hier kann man sehen, dass die Leute tendenziell nur bewerten, weil sie eine Kommentatoren-Person schlecht finden. Allerdings ist Claudia Neumann nach diesen Bewertungen die schlechteste der Schlechten.

WARUM INTERESSIERT MICH DAS THEMA?

Ich liebe Fußball, seit ich denken kann. Ich habe immer lieber den Kicker Allmanach gelesen als jedes andere Buch. Mein Traum war immer Fußball-Kommentator zu werden.

Dieser Traum ging 2018 in Erfüllung, als ich ein paar Highlights der Fußball-Bundesliga bei Eurosport kommentiere durfte.

Die Ernüchterung kam aber auch schnell: Ich war nicht wirklich gut genug für die 1. Liga der Kommentatoren. Das habe ich selbst schon immer gewusst und deswegen ist das auch völlig in Ordnung.

Umso mehr trifft es mich, wenn unqualifizierte Kommentatoren am Mikrofon sitzen. Auffällig häufig ist das bei ARD und ZDF der Fall.

Besonders heftig wird seit Jahren die ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann kritisiert. Und ich bin der erste, der den Fernseher auf lautlos stellt, wenn ich sie höre.

Weil ich ein Sexist bin? Nein. Weil ich ein Fußball-Fan bin, der Germanistik studiert hat und der Meinung bin, dass das Kommentieren von Live-Fußball-Spielen die anspruchvollste Aufgabe im TV ist. Eine Aufgabe, die nur von rund 100 Leuten in Deutschland bewältigt werden kann. Und selbst da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.

Bei Großereignissen wie EM und WM, bei denen 10 bis 20 Millionen Zuschauer am Fernseher sind, sollten also wirklich nur die Top10 der Kommentatoren-Riege ans Mikrofon dürfen.

Dazu zählt meiner Meinung nicht Claudia Neumann. Nicht ansatzweise. Nicht im Entferntesten.

Sachliche Kritik an einer Fußball-Kommentatorin

Leider Gottes überschatten sexistische Hasskommentare eine sachliche Kritik.

Ich distanziere mich von allen, die den Menschen Claudia Neumann (und alle anderen Menschen) aus welchem Grund auch immer herabwürdigen!

Das sind Verbrecher, die wegen Beleidigung oder Bedrohung bestraft werden müssen.

Aktuelles Video aus unserem YouTube-Kanal "Wett-Tipps heute & morgen"

Ich distanziere mich auch von Sexisten, die sich von Claudia Neumanns Weiblichkeit in ihrer labilen Männlichkeit gekränkt fühlen.

 

Dennoch ist es nicht so einfach jegliche Kritik an der Arbeit von Claudia Neumann mit dem Hinweis auf Gleichberechtigung vom Tisch zu wischen.

Das ist naiv und vor allem nicht zielgruppenggerecht.

Wie viele Prozent der Fußball-Zuschauer sind weiblich?

Ich sehe aber durchaus berechtigte Kritik daran, dass Claudia Neumann als Kommentatorin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Fußballspiele vor Millionen Zuschauern kommentieren darf und indirekt durch GEZ-Gebühren bezahlt wird. Ich distanziere mich allerdings auch vor allen, die Medien pauschal kritisieren und denen GEZ-Gebühren als Zwangsabgabe ein Dorn im Auge sind.

Ich zahle gerne GEZ-Gebühren, weil es viele hervorragende Formate gibt. Ich bin aber alles andere als begeistert für was dieses Geld teilweise verschwendet wird.

Und jetzt kommen wir zu einer Kritik, die rein gar nichts mit dem Geschlecht zu tun hat. Für alle Cancel-Culture-Fetischisten: Es kein Sexismus, wenn man eine Person für unqualifiziert hält. Das ist erstmal nur eine subjektive Kritik.

Wenn man eine Kritik unabhängig vom Geschlecht formulieren kann, ist die Kritik dann automatisch sexistisch, weil es sich gegen eine Frau richtet?

Sind Frauen von jeglicher Kritik ausgenommen?

Ist es Gleichberechtigung, wenn es in Deutschland 1000 Kommentatoren gibt, die ganz objektiv besser sind als Claudia Neumann und sie trotzdem den Vorzug erhält?

Ich kenne bestimmt 10 Fußball-Kommentatoren persönlich, die mehr als hundert Fußballspiele kommentiert haben und regelmäßig bei Eurosport, Sport1, Sky oder Magenta TV am Mikrofon setzen. Sie alle sind um Klassen besser als Claudia Neumann. Warum bekommt dann keiner von ihnen den vielleicht prestigeträchtigsten und wichtigsten Job im deutschen Fernsehen?

Was zeichnet eine gute Fußball-Kommentatorin aus?

  • Fußball-Sachverstand
  • eine klare und mitreißende Stimme
  • unterhaltsame Formulierungen
  • abwechslungsreiche Sprache
  • Emotionen
  • Erfahrung als aktiver Sportler
  • Erfahrung als Kommentator aus vielen hundert Fußball-Spielen
  • regelmäßige Übung durch wöchentliche Kommentare
  • und vielleicht noch einiges mehr.

Was davon hat Claudia Neumann?

Man kann Claudia Neumann unterstellen, dass sie Namen falsch ausspricht. Das ist verzeihlich, auch wenn es oft vorkommt.

Mangelnde Expertise in Taktik und Fußball-Historie stören mich und einige andere TV-Zuschauer. Statistiken und Namen kann meiner Meinung nach eine Frau zwar anlesen, ablesen oder lernen, aber es ist unglaubwürdig, wenn eine Frau tiefere Einblicke in die Denkweise und das Seelenleben eines männlichen Fußballers geben will, die sie einfach mangels persönlicher Erfahrung nicht haben kann im Vergleich zu männlichen Kommentatoren, die sich seit Geburt an mit dem Thema befassen.

Ich zitiere einen guten Freund von mir (Englisch- und Deutsch-Lehrer), der einst sagte:

„Eine Frau wird nie verstehen wie es ist im strömenden Regen, bei unfassbarer Kälte im hintersten Kuhkaff mit seinen Kumpels ein dreckiges 0:0 zu erkämpfen.“ 

Wenn mir dann Claudia Neumann erklären will, warum ein Spieler das oder jenes macht oder denkt, stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Auch bei männlichen Kommentatoren gibt es extreme Pfeifen, was aber eine auffallende ZDF-Problematik ist.

In Deutschland gibt es bestimmt 1000 bessere Kommentatoren als Neumann, aber das GEZ-Geld verprasst das ZDF für eine durchschnittliche Kommentatorin im Zuge einer Pseudo-Gleichberechtigung argumentiert, könnte doch auch ein objektives Casting veranstalten.

Hinzu kommt die Stimme von Neumann, die unter Qualitätsansprüchen für Sprecher und TV-Moderatoren niemals den Weg in ein Radio oder Fernsehen finden hätte dürfen.

Ihre Stimme ist für eine Frau sehr tief. Der Vorwurf, sie imitiere Männerstimme um professioneller zu wirken, wird vom Twitteraccount des ZDF Sportstudios mit „natürlichen Stimmen“ abgewehrt.

Dass sie trotzdem solche wichtigen Fußball-Spiele kommentiert ist eine eklatante Fehlbesetzung und eine Frechheit gegenüber allen besseren Kommentatoren, sowie dem Zuschauer.

Aus diesen Grund kann ich die Kritik an der Besetzung von Neumann (Frau hin oder her) absolut verstehen. D

Da die Reaktionen oft sexistisch und beleidigend sind, hat man allerdings das Kernproblem total aus den Augen verloren.

Natürlich sollte man den Menschen Claudia Neumann mit Respekt behandeln, wie jeden anderen Kommentator auch. Dass das ZDF und die Medien dabei allerdings die massive Kritik an einer unterdurchschnittlichen Kommentator-Person auf so etwas billiges wie Sexismus reduzieren hilft keinem, befeuert die Diskussion und sorgt für weiterhin extreme Reaktionen.

Ein Unternehmen, das wirtschaftlich und im Interesse der Zuschauer handeln würde, hätte längst reagiert. Oder warum kommentiert bei Sky keine Frau Fußball-Spiele? Sexisten!? Mangelnde Auswahl oder einfach nur auf Qualität bedacht?

Das durch Zwangsabgaben finanzierte ZDF hält aus falscher Solidarität an falschen Personalentscheidungen fest. Das ist zwar löblich für einen Arbeitsgeber. Aber damit tut man sich selbst, Claudia Neumann und schon gar nicht den Zuschauern einen Gefallen.

Mein Vorschlag: Interaktives Casting mit Online-Voting für die Vergabe von wichtigen Kommentatoren-Jobs in ARD und ZDF. Oder einfach qualifizierte Programm-Chefs, die für ihren fetten Gehaltscheck ihre Arbeit ein wenig ernster nehmen und etwas für die Qualität des Programms tun.

Bei Claudia Neumann schalte ich den Ton aus oder sogar den kompletten Fernseher. Jetzt wird das ZDF sagen: Auf Zuschauer wie mich können sie verzichten, weil sie das GEZ-Geld bekommen egal, wie viele Leute wirklich zu schauen und die TV-Einschaltquoten im Gegensatz zu YouTube nicht auf Basis des wirklichen Zuschauerinteresses und der Watch-Time gemessen werden. Daher ist das ZDF nicht darauf angewiesen es allen (öffentlich)recht zu machen. Oder doch? Wenn ich mit der Meinung alleine stehe, bin ich wohl überempfindlich und würde mir selbst den Job wünschen.

Ich bleibe dabei:

Wer Claudia Neumann als Kommentatorin bei Männerspielen in der Prime-Time positiv findet hat diesen Sport nie geliebt.

Ich übe mich aber gerne in mehr Toleranz. Wenn das ZDF sich darin übt besseres Personal anzustellen 😉